Zeitarbeit München vom 28.07.2009

Zeitarbeit-Mindestlohn: Augenwischerei und Wahlkampf

Vom Mindestlohn wären 9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Zeitarbeit hat aber nur knapp 500.000

Mindestlohn "Zeitarbeit ist böse und zahlt keine vernünftigen Löhne und Gehälter!", dass hört man immer wieder wenn das Thema Zeitarbeit angesprochen wird. Wie sieht es aber in den "richtigen" Firmen aus? Wie hoch ist denn dort die Bezahlung? Ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung bringt eine interessante Studie hervor, die eines Kommentars bedarf.

In der Onlineausgabe der SZ vom 27.07.09 findet man den Artikel "Mehr Geld, mehr Jobs" in dem u. a. zu lesen ist: "...Von der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde würden knapp vier Millionen Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob und etwa fünf Millionen Arbeitnehmer profitieren, die geringfügig oder teilzeitbeschäftigt sind. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das das Institut Econometrics im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verfasst hat..."

Ja ja, immer die böse Zeitarbeit. Blöd nur, dass es in der Zeitarbeit "nur" ca. 500.000 Beschäftigte gibt. Das bedeutet, ein maximaler Anteil von 12,5 % der Vollzeitbeschäftigten, die gleichzeitig Zeitarbeiter sein könnten, verdienen unter 7,50 Euro. Maximal deshalb, weil in Großstädten und in qualifizierten Bereichen für Zeitarbeiter auf jeden Fall mehr gezahlt werden muss und auch bezahlt wird.

Auch interessant ist die Tatsache, dass Branchenverbände der Zeitarbeit selbst den Mindestlohn und die Aufnahme in Entsendegesetz fordern, um nicht mit den anderen 87,5 % der "normalen Firmen" in einen Topf geworfen zu werden.

Wenn also Parteien, Verbände und Gewerkschaften auf die "böse" Zeitarbeit schimpfen, dann nur, weil es wahlwirksam und populistisch ist.

Sebastian Kübler, Personalberater der Äquivalent Personal GmbH in München


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